Mein beruflicher Lebenslauf

 

Wie viele kleine Mädchen wollte ich von Kindesbeinen an Tierärztin werden - ich liebte Tiere, wollte ihnen helfen und am liebsten den ganzen Tag mit ihnen zusammen sein.

Das hat auch alles gut geklappt: mit zwanzig Jahren Abitur, und gleich weiter zum Studium, mit sechsundzwanzig Jahren "fertige" Tierärztin  - Assistentenjobs in der Gemischtpraxis, dazwischen Promotion, dann Kleintierklinik, dann zwanzig Jahre in der eigenen Praxis,....

"Nebenher" die eigenen Hunde (siehe Hunde-Lebenslauf), oder eher nicht nebenher, denn sie sollten doch auch auf ihre Kosten kommen; Teilnahme an vielen Hundeveranstaltungen und Kursen und Trainings, Hundesportverein für die BH-Prüfung, Rettungshundestaffeln in Gießen und Heilbronn (in Filderstadt nur Gründungsmitglied), Welpenkurs, Seniorenkurs, Rallyes, ...

Ich war nicht immer eine einfache Teilnehmerin, oft kritisch dem Ausbilder gegenüber, und versuchte auch immer wieder, meine Ideen und Kritiken einzubringen, was verständlicherweise nicht bei jedem Ausbilder gut ankommt. Trotzdem gab es Trainier, die damit gut zurecht kamen, und dann machte das Training nochmal mehr Spaß und war auch richtig erfolgreich.

Da die eigene Kleintierpraxis mir allerdings irgendwann nicht mehr viel Zeit ließ für die angebotenen Veranstaltungen, war Eigeninitiative gefragt: ich besorgte mir bald jedes Buch über jedes Hundethema, machte für mich und meinen Hund unser Ding, lernte für mich oder guckte bei den Seminaren oder auch in Hundetreffs alles, auch die anderen Teilnehmer, genau an und sammelte so meine Erfahrungen...

Ich habe viele Trends und neue Erziehungs- und Ausbildungsmethoden kommen (und gehen) sehen, manches Gute und manchen - so würde ich sagen: Quatsch. Und doch versuche ich immer, offen zu sein für Neues, das Bekannte zu hinterfragen, dabei gewisse eigene Standards zu entwickeln, aber auch tolerant zu sein gegenüber den Hunden und ihren Menschen, die halt doch anders ticken als ich - innerhalb gewisser Grenzen.

In den normalen Sprechstunden der Tierarztpraxis tauchten immer wieder Fragen auf: zum Verhalten des Hundes, vielleicht sogar zu richtig störendem Verhalten, bei frisch gebackenen Welpenbesitzern tausend Fragen allgemein und speziell (da ist es oft passiert, dass ich mich mit den Besitzern lang verquatschte - fand ich es doch so wichtig, dass sie einen guten Start hatten!) oder der Klassiker,  kurz vor Silvester - meist zwischen Tür und Angel: ach ja, mein  Hund hat an Silvester immer so panische Angst, was kann ich denn machen?  Oder ein Welpe kam in die Praxis, schnüffelte alles ab und blieb zum Erstaunen seiner Besitzer am geschlossenen Schrank mit den Vitamintabletten hängen - ein leckerer Duft für den Kleinen, und so schön ausbaubar als tolle Beschäftigung mit Geruchs-Spielen. (Aber das erklärt sich halt nicht in fünf Minuten - und so verlief sich die eine oder andere gute Anlage eines Hundes leider im Sand...). Oder ich sah  in der Praxis, wie eigentlich tolle Menschen und ein toller Hund nicht zusammengefunden haben, dass manchmal schon Kleinigkeiten oder auch mal ein bißchen mehr Arbeit hätten dazu führen könnten, dass aus den beiden ein tolles Team wird - aber dafür ist in einer normalen Tierarztpraxis einfach keine Zeit.

Ich hätte, obwohl mich die Verhaltens"geschichte"  also schon lange fasziniert, nicht den Mut und den Egoismus gehabt, die Kleintierpraxis, in der mich so viele nette Menschen und Tiere geschätzt und mir viele Jahre treu waren, zum jetzigen Zeitpunkt und so plötzlich aufzugeben.

Für mich katastrophale praxisinterne Vorkommnisse haben mich jedoch diese Entscheidung treffen lassen - und ich hoffe, dass es dann, wie vieles im Leben, irgendwie einen Sinn hatte.

Also - deshalb jetzt die Veränderung der Praxis in Richtung Verhaltensmedizin, und damit ich auch "normalen" Hunden Spaß und Freude bereiten kann, habe ich am 27.Juni 2017 noch die Prüfung zum Hundetrainer nach §11 des Tierschutzgesetzes abgelegt - somit steht den neuen Aufgaben nichts mehr im Weg. 

 

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