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Mein Hunde-Lebenslauf


Musste ich als Kind noch mit der Aussicht auf eine Waffel zum Spaziergang gelockt werden, machte es mir als Jugendliche so viel Spaß, durch Wald und Feld zu streunen, dass ich mir sehnlichst einen eigenen Hund, der mich begleiten würde, wünschte.

Leider waren meine Eltern strikt gegen einen eigenen Hund: "Das kannst Du machen, wenn Du erwachsen bist" - und so suchte und fand ich meinen ersten "Gassi-Hund": Peterle, der weiße Zwergpudel einer Freundin. Der durfte laut Besitzer nur an der Leine laufen, im Gegenzug für die Freiheitsberaubung aber entscheiden, wo es lang ging. Die Diskussionen an den Wegkreuzungen fand ich nervig, aber ich war trotzdem traurig, als er mit seiner Familie weg zog.

Aber bald freute sich ein anderer Hund und seine Familie auf Hilfe beim Hundegassi: Hasko, ein stattlicher Husky-Rüde, wurde für einige Jahre mein Begleiter in Wald und Flur, und wenn seine Familie im Urlaub in Italien war, durfte ich ihn bei sich zu Hause ganz betreuen.

Hasko war ein ziemlich typischer Vertreter seiner Rasse: rennen bis zum Horizont, ein ausgeprägter Jagdinstinkt - und vollkommen resistent gegenüber meinen schüchternen Versuchen, mittels Würstle oder Bällchen seine Leidenschaften umzulenken. Seitens der Besitzer mit der Erlaubnis, ihn frei laufen lassen zu dürfen, nutzte er jeden Moment der Unaufmerksamkeit, seinen eigenen Ideen zu folgen.

Meistens konnte ich ihn überlisten, um so einigermassen gemeinsam mit ihm heim zu kommen; aber einmal schätzte ich ihn komplett falsch ein: Auf dem Heimweg, schon an der Leine, trafen wir seine Hundefreundin, und um den beiden noch ein lustiges Spiel zu gönnen, liess ich ihn von der Leine - und ratzfatz sprang er durch eine Thujahecke, drückte mit einem kurzen "Knack" seinen Kopf durch das Gitter des Hasenstalls, schnappt sich das vor Schreck erstarrte Kaninchen und schüttelte es tot - vor den Augen der hochschwangeren Besitzerin, die just daneben stand.

Da entstand in mir der sehnlichste Wunsch, einen Hund zu besitzen, der - wie bei einer Freundin dieser Tage - ohne Leine und ohne permanente Aufsicht einfach mit mir durch Wald und Feld und durch`s Leben gehen würde.

Als ich dann erwachsen war, also zwecks Studium nach Giessen gezogen war, ging ich im Giessener Tierheim einige male mit Insassen von dort spazieren. Und als aufgrund starker Überfüllung des Tierheims Pflegeplätze gesucht wurden, bot ich mich an - und bekam "Bonnie" zugeteilt: eine langstockhaarige Schäferhündin, auf zwei oder drei Jahre alt geschätzt.

Bonnie war schwierig: fremden Menschen gegenüber massiv ängstlich bis panisch (auch hier habe ich einmal die Situation wieder falsch eingeschätzt, als ich sie unbeaufsichtigt vor einem Laden angebunden hatte, und sie dann einen Mann in den Arm biss); mir gegenüber wurde sie jedoch sehr schnell vollkommen vertrauensvoll. 

Da eigentlich als Pflegehund zur Weitervermittlung gedacht, wurden wir dann eingeladen, Bonnie bei "Herrchen gesucht", einer vom Hessischen Fernsehen ausgestrahlten Tierheimhunde-Vermittlungs-Sendung, vorzustellen.

Also fuhr ich mit Freunden nach Frankfurt, und brachte Bonnie mit klammem Herzen ins Studio. Zum Glück fanden sich aber keine geeigneten Interessenten - Bonnie war wirklich sehr schwierig mit Fremden, und mir war dann auch klar geworden, dass ich sie nicht mehr hergeben wollte.

Einige Monate später, als ich merkte, ich kriege das hin mit Studium und Hund, wollte ich sie dem Tierheim abkaufen - und bekam sie von der Vorsitzenden Frau Toth geschenkt, worauf ich sehr stolz war. 

Ich begann, sämtliche Verhaltensbücher, die damals auf dem Markt waren, zu lesen, um meine Bonnie  verstehen zu können und ihr besser helfen zu können. So ganz "normal" wurde Bonnie zwar nie, aber ich denke, sie wurde sehr glücklich mit ihrem Leben bei mir.

Bonnie begleitete mich durch das ganze Studium; als sie starb, hinterließ sie eine unendlich große Lücke in meinem Leben.

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Verzweifelt und mich sehr einsam fühlend ohne den geliebten Hund, sah ich in einer Zeitungsanzeige, dass ganz in der Nähe Schäferhundwelpen abzugeben waren. Ich fuhr sofort hin, die Kleinen waren dann auch herzallerliebst - und ich entschied mich für eine Hündin, und würde sie tags darauf abholen. Tags darauf und auch Monate später noch war die kleine Hündin ein richtiges "Monster": rotzfrech, durch nichts zu beeindrucken, immer als Erste vorneweg... Wie oft kamen mir damals Zweifel, ob ich das alles schaffen würde mit dieser Hündin, und nicht selten hab ich vor Zorn geheult und gesagt, ich gebe sie wieder ab, wir passen nicht zusammen.

Wir haben es aber geschafft, sind ein tolles Team geworden, und ich glaube, auch deshalb, weil ich richtig viel mit ihr machte: Mit sechs Monaten begann sie ihre Ausbildung zum Rettungshund erst in Gießen, mit dem berufsbedingten Umzug  nach Eberbach dann bei der BRH Staffel Unterland in Heilbronn, wo sie später auch die Flächenprüfung mit sehr gut bestand. Leider fiel ich mit ihr durch die Trümmerprüfung, eine große Enttäuschung für mich damals - aber es lag nicht an Ayla, sondern wir Menschen hatten mal wieder nicht richtig aufgepaßt bei der Ausbildung.

Ayla war immer voll dabei, egal bei welchen Aktivitäten, ob beim Lawinenhundekurs in Südtirol oder beim Seminar in Ahrweiler oder egal wo. 

Leider konnte ich, als ich meine eigene Tierarztpraxis gründete, nicht mehr regelmäßig zu den Übungsstunden nach Heilbronn fahren, was leider dazu führte, dass die Staffelleitung entschied, dass ich dann auch nicht mehr zur Prüfung zugelassen wurde.

Damit Ayla weiterhin ihren Spaß und ihre Aufgaben hatte - und weil sie später dann auch noch unter Hüftgelenksarthrose und massiven Rückenschmerzen zu leiden hatte, entdeckte ich die Welt der Objektsuche: kleine Gegenstände oder Spielsachen suchen lassen, schwierig versteckt, oder mit nur ganz kleinen und schwach riechenden  Objekten, der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt, und ich konnte es ohne größeren Aufwand und ohne Hilfspersonen betreiben.

Ayla liebte diese Beschäftigungen bis zum Schluß, und es war rührend, wie stolz sie war, wenn sie eine schwierige Aufgabe gelöst hatte.

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Nachdem Ayla mit 12 Jahren in den Hundehimmel kam, liess ich mir etwas Zeit,die für mich passendes Hündin zu suchen , und habe dann wirklich meinen Seelenhund gefunden.

Jannis, oder eben "Puschelchen", wie ich sie später nur noch nannte, war von Welpe an eine gelassene, ruhige und  sehr auf mich bezogene Altdeutsche Schäferhündin.

Wir paßten von Anfang an zusammen, waren wie gemacht füreinander. Aber auch wenn Puschelchen nichts forderte - sie hatte eine leise, sanfte Art zu zeigen, dass auch sie sehr gern "arbeitete". Hatte ich bei Ayla ab und zu richtig durchgreifen müssen, damit sie mich ernst nahm, durfte ich Puschel nur mit Lob ausbilden. Ein nur ein bisschen forsch ausgesprochenes "Nein" ließ sie quasi in sich zusammensacken und beendete sämtliche Aktivitäten ihrereseits. Das war für mich erst einmal eine Umstellung, lag mir aber  mehr, denn ich mag die sanfte, leise Art der Kommunikation.

Mit Puschel absolvierte ich die Begleithundeprüfung, machte dann aber nur noch zum Spaß diverse Ausbildungen und Übungen. Auch mit ihr war ich auf diversen Seminaren zum Thema "Suchen" und "Beschäftigung". Ich bildetet sie ein Stück weit als "Leichensuchhund" aus, wo sie mein (menschliches) Blut lernte zu suchen und auch kleinste Tropfen anzuzeigen. Ich traf mich sogar mit einem Leichensuchhundausbilder der Polizei, um Tipps zur Ausbildung zu bekommen; aber da man als "Laie" keine Prüfungen machen darf, blieb die Sache rein auf den Spaß beschränkt.

Auf einem der Seminare lernte ich, quasi gezwungenermassen,  den "Clicker" kennen. Bis dato war ich ein entschlossener Gegner dieser Sache gewesen - aber Puschel wurde ein begeisterter Schüler mit dieser Methode, und lernte damit schnell und voller Freude, was mir natürlich richtig gefiel.

Neben all diesen Dingen war Puschele mein ständiger Begleiter, immer dabei, überall, es gefiel ihr so, und mir genauso.

Als ich Puschelchen in den Hundehimmel gehen lassen mußte, ist ein Teil von mir mit gegangen, so sehr habe ich sie geliebt.

 

 

                                                                                    

Um glücklich zu sein, brauche ich lange Spaziergänge in der Natur, und ich beschäftige mich einfach sehr gern mit dem "Partner Hund". Puschelchen wird immer einen großen Teil meines Herzens behalten, aber ich habe es nach einigen Monaten des "ohne-Hund-Seins" geschafft, mir wieder eine Altdeutsche Schäferhündin zu holen. Milla ist im Oktober 2014 geboren, kam im Alter von acht Wochen zu mir, und auch wenn sie es am Anfang nicht leicht hatte, weil ich noch sehr um ihre Vorgängerin trauerte, mittlerweile hat auch sie ein Plätzchen in meinem Herzen gefunden.    

Sie ist irgendwie eine Mischung aus meinen bisherigen Hunden:Nicht ganz einfach mit fremden Menschen  - wie Bonnie; (aber dadurch, dass sie so jung zu mir kam, konnte ich ihr da so viel Sicherheit vermitteln, dass es kaum noch zu bemerken ist.)
Sie ist lebhaft und quirlig -  wie Ayla, und sie ist sehr sensibel -  wie Puschelchen.

Milla ist mit ihren zweieinhalb Jahren ein junger Hund, und doch merkt man, dass sie jetzt langsam erwachsen wird: Sie findet immer noch alles sehr spannend, sie liebt das Spiel mit ihren Hundefreunden - aber nicht mehr stundenlang und pausenlos, und sie möchte manchmal auch lieber die Beschäftigung und das Spiel mit mir, oder einfach nach Hundeart schnüffeln und entspannt laufen oder nur rumliegen.

Sie darf "Suchen" spielen, hat viele "Intelligenzspiele" zuhause, sie kann schon ganz gut "Fährte", und ein bisschen üben wir auch für die Begleithundeprüfung...

Wir wachsen zusammen, und es fühlt sich gut an... Ich genieße die Zeit mit ihr, jeden Augenblick, jeden Tag - denn ich weiß, wie vergänglich alles im Leben ist...

 

 

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